Gäste wählen nach Gericht, nicht nach Haltungsform

Scharfe Kritik von Gastro-Verbänden an der geplanten Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung.

Die geplante Ausweitung der Tierhaltungskennzeichnung auf Gastronomie und Außer-Haus-Verpflegung stößt auf deutliche Kritik. In einem Interview mit dem Magazin foodservice machten Marcus Schwenke vom GROSSHANDELSVERBAND FOODSERVICE, Jürgen Benad (Dehoga Bundesverband), Dr. Sabine Eichner (dti) und Markus Suchert (Bundesverband der Systemgastronomie) deutlich, dass die geplanten Vorgaben vor allem eines bedeuten: zusätzlichen bürokratischen Aufwand bei gleichzeitig fraglichem Nutzen für die Gäste.

Keine Lenkungswirkung – aber hohe Belastung

Der Geschäftsführer des GV FOODSERVICE positionierte sich dabei deutlich: Eine verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung in der Gastronomie werde das Verhalten der Gäste nicht verändern. Anders als im Einzelhandel hätten Gäste im Restaurant keine echte Auswahl zwischen verschiedenen Haltungsformen – sie entscheiden nach Gericht, Preis und Anlass. Eine Kennzeichnung hätte daher „keinerlei Lenkungswirkung“, sondern schaffe lediglich zusätzlichen Aufwand.

Aus Sicht des Verbands ist dieser Punkt zentral: Wenn kein nachweisbarer Nutzen entsteht, steht der erhebliche Mehraufwand für Betriebe und Lieferketten in keinem Verhältnis zum Ziel der Maßnahme.

Komplexität entlang der Lieferkette steigt massiv

Die Kritik der Verbände deckt sich mit den Erfahrungen im Großhandel. Gastronomiebetriebe und ihre Lieferanten müssten künftig für jede einzelne Zutat die Haltungsform dokumentieren und bei Änderungen sofort anpassen. In hochdynamischen Lieferketten mit täglich wechselnden Verfügbarkeiten würde dies zu einem erheblichen Mehraufwand in Logistik, Warenwirtschaft und IT führen.

Schwenke fordert daher ausdrücklich eine fundierte Folgenabschätzung, bevor eine solche Regelung umgesetzt wird. Es fehle bislang an belastbaren Belegen dafür, dass die Kennzeichnung tatsächlich einen Mehrwert für Verbraucher oder das Tierwohl bringt. Ohne diese Grundlage drohe eine zusätzliche Bürokratielast ohne messbaren Effekt.

Kostensteigerungen und Risiken für den Markt

Die zusätzlichen Anforderungen würden entlang der gesamten Wertschöpfungskette Kosten verursachen, die letztlich an die Verbraucher weitergegeben werden müssten. In einem ohnehin angespannten Marktumfeld mit steigenden Preisen und sinkender Kaufkraft könnte dies die Nachfrage weiter dämpfen.

Zugleich warnen die Verbände – wie auch Markus Suchert – vor negativen Effekten auf freiwillige Tierwohl-Initiativen. Staatliche Vorgaben könnten bestehende Programme verdrängen und damit Investitionen in höhere Standards unattraktiver machen.

Forderung nach praxistauglichen Lösungen

Vor diesem Hintergrund fordert der GROSSHANDELSVERBAND FOODSERVICE gemeinsam mit den Branchenvertretern einen Kurswechsel: Statt zusätzlicher Bürokratie braucht es freiwillige, marktorientierte Lösungen, verlässliche Rahmenbedingungen und möglichst EU-weit harmonisierte Regelungen.

Die zentrale Botschaft ist klar: Ohne nachweisbaren Nutzen darf es keine zusätzliche Belastung für eine ohnehin stark geforderte Branche geben.

Das volle Interview finden Sie hier: https://www.food-service.de/management/menschen/tierhaltungskennzeichnung-gaeste-waehlen-nach-gericht-nicht-nach-haltungsform-65293

GROSSHANDELSVERBAND FOODSERVICE e. V.
Am Weidendamm 1 a
10117 Berlin

E-Mail: info@gvfoodservice.de

Ansprechpartner:
Marcus Schwenke (Geschäftsführer)
Katja Hänel (Assistenz der Geschäftsführung) www.gvfoodservice.de

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